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Wirtschaftswissen

Leistungsfähigkeitsprinzip

Die Philosophie der Zahlungsfähigkeit bzw. dem Leistungsfähigkeitsprinzip bei der Besteuerung besagt, dass Steuern entsprechend der Zahlungsfähigkeit des Steuerzahlers erhoben werden sollten.

Die Idee ist, dass Menschen, Unternehmen und Konzerne mit höherem Einkommen mehr Steuern zahlen können und sollten.

Mit ein paar Beispielen verstehst du das Leistungsfähigkeitsprinzip besser

Die Besteuerung nach dem Leistungsfähigkeitsprinzip besagt, dass diejenigen, die ein höheres Einkommen erzielen, einen höheren Prozentsatz dieses Einkommens an Steuern zahlen sollten, als diejenigen, die weniger verdienen.

Im Jahr 2020 mussten beispielsweise Personen in Deutschland mit einem zu versteuernden Einkommen von weniger als 9408 EUR keine Einkommenssteuer bezahlen, während Personen mit einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 57.052 EUR mit einem Steuersatz von 42 % konfrontiert waren, dem landesweiten Spitzensteuersatz für Einzelpersonen.

Für Einkommen zwischen diesen Beträgen gelten die Steuersätze, die in den Einkommensstufen festgelegt sind.

Die Idee, die der Besteuerung der Zahlungsfähigkeit zugrunde liegt, ist, dass jeder ein gleiches Opfer bei der Zahlung von Steuern bringen sollte, und weil Menschen mit mehr Geld effektiv weniger Verwendung für einen gegebenen Euro haben, stellt die Zahlung von mehr von ihnen an Steuern keine größere Belastung dar.

Stell dir das mal so vor: Für eine Person, die 1 Million Euro im Jahr verdient, machen 10.000 Euro nur einen kleinen Unterschied in ihrem Leben, während es für eine Person, die nur 60.000 Euro im Jahr verdient, einen großen Unterschied macht.

Woher kommt eigentlich das Leistungsfähigkeitsprinzip?

Die Idee einer progressiven Einkommenssteuer – das heißt, dass Menschen mit der Fähigkeit, mehr zu zahlen, einen höheren Prozentsatz ihres Einkommens zahlen sollten – ist Jahrhunderte alt.

Tatsächlich wurde sie von keinem Geringeren als Adam Smith, der als Vater der Wirtschaftswissenschaften gilt, im Jahr 1776 propagiert.

Smith schrieb: “Die Untertanen eines jeden Staates sollten zum Unterhalt der Regierung beitragen, so nahe wie möglich, im Verhältnis zu ihren jeweiligen Fähigkeiten; das heißt, im Verhältnis zu den Einnahmen, die sie jeweils unter dem Schutz des Staates genießen.”

Welche Argumente gibt es FÜR die progressive Besteuerung?

Die Befürworter der Besteuerung nach Leistungsfähigkeit argumentieren, dass diejenigen, die am meisten von der Lebensweise der Nation in Form von höheren Einkommen und größerem Wohlstand profitiert haben, es sich leisten können und verpflichtet sein sollten, ein wenig mehr zurückzugeben, um das System am Laufen zu halten.

Das Argument ist, dass die Gesellschaft, zu deren Aufbau die Steuereinnahmen der Regierung beigetragen haben – Infrastruktur wie Autobahnen und Glasfaserkommunikationsnetze, ein starkes Militär, öffentliche Schulen, ein System der freien Marktwirtschaft – das Umfeld bietet, in dem ihr Erfolg möglich ist und in dem sie diesen Erfolg weiterhin genießen können.

Welche Argumente gibt es gegen die progressive Besteuerung?

Kritiker der progressiven Besteuerung argumentieren, dass sie grundsätzlich ungerecht ist.

Sie sagen, sie bestraft harte Arbeit und Erfolg und verringert den Anreiz, mehr Geld zu verdienen.

Viele argumentieren, dass jeder den gleichen Einkommenssteuersatz zahlen sollte – eine “Pauschale” – um das System gerechter zu machen.

Progressive Besteuerung und Ungleichheit in Deutschland: Meine persönliche Meinung

Während Deutschland immer noch ein progressives Steuersystem hat, sind die Steuersätze für die “Reichen” in den letzten Jahrzehnten stark gesunken.

Als Gerhard Schröder sein Amt 1998 antrat, lag der höchste Einkommenssteuersatz für Einzelpersonen bei 53%.

Im Jahr 2020 liegt der Spitzensteuersatz für Einkommen bei 42%.

Währenddessen hat die Ungleichheit ein Niveau erreicht, das seit langem nicht mehr gesehen wurde.

Die obersten 10% besitzen nun mehr Vermögen als die unteren 56% (Quelle: DIW: https://www.diw.de/de/diw_01.c.679909.de/publikationen/wochenberichte/2019_40/vermoegensungleichheit_in_deutschland_bleibt_trotz_deutlich_steigender_nettovermoegen_anhaltend_hoch.html)

Aber man sollte auch anmerken, was in Deutschland schon als statistisch als “Reich” gilt – und zwar bezahlt man ab 57.052 EUR den Spitzensteuersatz.

Meiner Meinung nach ist das ein “Witz”.

Durch die Besteuerung in Höhe von 42% ab 57.052 Brutto ( Pro Monat: 4754 EUR Brutto sind ca. 3000 EUR ) belastet man diese Einkommen überdurchschnittlich hoch im Vergleich zu richtig hohen Einkommen.

Auch wenn genug Einkommen für den Konsum mit 3000 EUR pro Monat zur Verfügung steht, so erschwert es doch einem den Aufbau von “echtem” Vermögen wie z.B. den Kauf von Immobilien.

Inwieweit man diese absolut gewöhnliche Eigenheim oder Wohnungseigentümer, die ihr Eigentum selbst bewohnen und über 20 bis 30 Jahre “abzahlen” als “Reich” bezeichnen darf, hat meiner Meinung nach Diskussionsbedarf.

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